Unternehmer und Reformer

Autorin: Nataly Venger
Übersetzung: Martje Postma 

Johann Cornies war eine Persönlichkeit, die weithin Vertrauen genoss bei den  Mennoniten, seine Laufbahn verlief im Dienste der russischen Regierung. Die Regierung unterstützte Cornies als ein Verfechter von Reformen. Seine Wertvorstellungen unterschieden sich von denen des geistlichen Leiters J. Warkentin, der darauf bestand, dass die Gemeinden isoliert bleiben müssten, und eine Zusammenarbeit mit der russischen Führungselite ablehnte. Die öffentliche Unterstützung, die Cornies erhielt, beruhte auf  seinem Erfolg als Unternehmer. Er betrieb Handel, Schafzucht und Brauereien, ihm gehörte ein kleines Unternehmen. Die Gewinne seines landwirtschaftlichen Betriebes investierte er in die Entwicklung der Industrie, ein zukunftsweisender Faktor zum Erfolg für die Kolonien.

 

Leiter von Siedlungen und von Gesellschaften

Johann Cornies begann seine Laufbahn im Jahre 1817, als das Komitee der Aufsichtsbehörde ihn zum Leiter der neuen Danziger Siedlungen ernannte. Danach war er für die Kolonien der Auswanderer aus Wittenberg zuständig. Ab 1825 arbeitete er an dem 'Projekt Nogay', einem Programm das auf die Zivilisierung der Nogay Tataren abzielte. Cornies erwies sich als außerordentlich begabt in der Verwaltung, geprägt von Toleranz und seiner Fähigkeit, die Forderungen der russischen Regierung mit den Bedürfnissen einer traditionsverbundenen Gesellschaft zu verbinden.

Als Vorsitzender der 'Gesellschaft für Forstwirtschaft' (1830) und der 'Gesellschaft für Agrikultur'(1836) hatte er eine glückliche Hand in der Begleitung vieler Projekte für den wirtschaftlichen Fortschritt. 'Die Gesellschaft für Agrikultur' gab existierte bis 1871.

 

Innovationen und Neu-Halbstadt

In der Zeit, als die Zahl der landlosen Bevölkerung anstieg, stellte Johann einen neuen Plan vor, der darin bestand, kleine Grundstücke im Umkreis der Kolonien an Gemeindeglieder zu vergeben. Er machte dazu eine Schenkung von 100.000 Rubel aus seinem persönlichen Besitz für die Gründung einer neuen Kolonie namens Neu-Halbstadt.

Cornies war ein Privatbankier an mennonitische und deutsche Unternehmer, russische Großgrundbesitzer und Politiker Geld verlieh, er brachte Gemeinden dazu jungen Unternehmern Kredit zu geben. Johann stellte ein Programm auf, in dem mennonitische Handwerker bulgarischen Jungendlichen ein Handwerk lehrten. Er reformierte das Schulwesen mit Erfolg.

 

Zukunftsweisend

Cornies glaubte, dass das Ziel der mennonitischen Ideologie? War, die Siedlung beisammenzuhalten, und Gerechtigkeit innerhalb der Gemeinde walten zu lassen. Seine Grundsätze beruhten auf den Einfluss seiner pietistischen Werte. Auch wenn er ein autoritärer Leiter war, erreichte er positive Veränderungen innerhalb der Kolonie. Er war davon überzeugt, dass die Zukunft der Kolonie in einem modernisierten Russland von den marktwirtschaftlichen Entwicklungen innerhalb der Siedlungen beruhte. Daher waren die meisten seiner Projekte auf den zukünftigen Erfolg gerichtet. Die Ergebnisse seiner Projekte waren positiv und erwiesen ihren Wert in der darauffolgenden Dekade.