'Ein Mann mit einer Mission'

Autorin: Nataly Venger
Übersetzung: Martje Postma 

Jacob Hoeppner war ein mennonitischer Unternehmer im polnischen Preußen, der eine aktive Rolle in der Umsiedlung der Mennoniten in das russische Zarenreich spielte. Er war einer der Ersten, der von der Möglichkeit und dem Nutzen einer mennonitischen Migration überzeugt war. Mit dieser Haltung inspirierte er andere weniger entschlussfreudige Vertreter der Gemeinde. Seine Zielstrebigkeit und seine Unterstützung für eines der Hauptprojekte einer Umsiedlung bildeten den Grundstein für einen neuen Abschnitt in der Geschichte der europäischen Mennoniten.

 

Hoeppner war ein Unternehmer, der einen kleinen Laden mit Wirtsstube in Danzig gemietet hatte und betrieb. Georg von Trappe, der Gesandte der russischen Regierung, der zufällig als Kunde zu Hoeppner kam, war von seiner Geschäftstüchtigkeit beeindruckt. Er überbrachte Neuigkeiten über die Manifeste der Zarin Katharina der Zweiten, und über die Möglichkeiten für eine Übersiedlung der Mennoniten. Als die Lebensumstände für Mennoniten im polnischen Preußen sich unter Friedrich dem Zweiten verschlechterten, ermunterte die Danziger Mennonitengemeinde Hoeppner und seinen Kollegen Johann Bartsch zu einem Besuch nach Russland zu fahren. Das Ziel dieser Reise war, die Bedingungen für eine Übersiedlung zu klären, und geeignete Ländereien für die Besiedelung zu finden. Im Herbst 1786 fuhren Hoeppner und Bartsch nach Russland. Sie begutachteten einen Landstrich in der Nähe von Beryslaw. Im Frühjahr des Jahres 1787 wurden die 'Privilegien' verfasst, als Ergebnis der Verhandlungen mit dem Staatsmann G. Potemkin. Das Dokument wurde im Jahre 1788 von Katharina der Zweiten unterschrieben.

 

Die Privilegien versprachen den Neusiedlern günstige Bedingungen. Diese beinhalteten Religionsfreiheit und Selbstverwaltung und begünstigten ein Leben in freier Entfaltung wirtschaftlicher Tätigkeiten. Indem die Abgesandten diese Privilegien unterschrieben, sicherten sie auch ihre persönliche Zukunft. Wie in dem Dokument festgelegt, erhielten sie selber das Recht, die mit staatlicher Hilfe zu bauenden Mühlen, zu vererben, und Geschäfte, Brauereien und Essigwerke zu besitzen.

 

Die erste Siedlergruppe kam in 1787–1788 in Russland an. Während ihrer Reise nach Beryslaw änderte die russische Regierung den Ort für die mennonitische Ansiedlung, aufgrund der Drohungen aus dem Ottomanischen Reich. Die neuen Ländereien in Chortitza waren nicht so fruchtbar wie die in Beryslaw, und die Mennoniten beschuldigten Hoeppner und Bartsch des Betrugs. Hoeppner wurde aus der Gemeinde ausgeschlossen und ins Gefängnis gebracht. Doch als der neue Zar, Alexander der Erste, an die Macht kam, wurde Hoeppner wieder in die Gemeinde aufgenommen. Er verlebte seine letzten Jahre in der Kolonie Kronsweide.

Nach Auskunft des Freiluftmuseums 'Mennonite Heritage Village' in Kanada erhielt das Grab von Hoeppner 1890 ein Monument, als Denkmal für eine neue Phase in der Geschichte der europäischen Mennoniten. In den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde es aus der Ukraine nach Kanada verlegt.