Kolonien

Autorin: Svietlana Bobileva
Übersetzung: Martje Postma 

Katharina die Große lud die Mennoniten nach Russland um die neuen Gebiete des russischen Zarenreiches zu entwickeln. Ausgewählt waren sie als tüchtige Landwirte und so bekamen sie Land, Geld zum Reisen und um sich heimisch zu machen. Sie brauchten keinen Militärdienst zu leisten und sie erhielten ein gewisses Maß an Bürgerrechten und Selbstverwaltung.

 

Die Kolonien in Jekaterinoslaw, Alexandrowsk und Molochansk

Die ersten 228 mennonitischen Familien kamen aus Preußen in die Provinz Jekaterinoslaw. Sie gründeten acht Kolonien: Chortitza, Einlage, Rosenthal, Kronsweide, Neuendorf, Schoenhorst, Neuenburg und die Niederlassung auf der Insel Chortitza. Die nächste Einwanderergruppe (118 Familien) kam in den Jahren 1793-1796 in das Gebiet von Nowomoskowsk und Alexandrowsk. Zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts siedelten sich 150 mennonitische Familien in der Provinz Taurien an (1804), wo sie ihre Dörfer am Ostufer des Flusses Molotschna errichteten. Von 1804 – 1806 ließen sich weitere 365 mennonitische Familien in diesem Distrikt nieder. In den ersten Jahrzehnten dieses Jahrhunderts gründeten die Mennoniten 27 Kolonien in Molotschna: Halbstadt, Tiegenhagen, Schoenau, Fischau, Lindenau, Lichtenau, Muensterberg, Altona, Tiege, Orloff, Blumenort, Muntau-Ladekop, Mariental, Rudnerweide, Franzthal, Pastwa, Grossweide und Blumstein.

 

Im Jahre 1835 wurden fünf weitere Bergtal Kolonien (145 Familien) in der Gegend von Alexandrowsk gegründet. In 1852 wurden sie zusammengefasst in dem dritten mennonitischen Distrikt Mariupol. Als die 'Doukhoboren', russische Sektierer, weiterzogen in den Kaukasus, übernahmen Vertreter der alt-flämischen Gemeinde Gnadenfeld in Preußen ihre verlassenen Ländereien, und gründeten Gnadenfeld als mennonitische Wolost im mennonitischen Distrikt Molochansk.

 

Samara und Wolhynien

Mennoniten aus Danzig, Marienburg und Elbing siedelten sich ab 1850 in der Provinz Samara an. Im Jahre 1874 gab es dort 16 Kolonien. Einige mennonitische Siedlungen gab es in der Provinz Kiew (das Dorf Michalin), und in Wolhynien (Karlsweide, die Schweizer Mennonitensiedlungen). In 1870 betrug die Gesamtzahl der Mennoniten aus Danzig und den preußischen Gebieten, die nach Russland übergesiedelt waren, insgesamt 2300 Familien.

 

Neue Einwanderungswellen durch Landnot

Die wirtschaftliche Entwicklung und das Bevölkerungswachstum führte zu Verknappung des Agrarlandes. Das 'Erbschaftsgesetz' (1866) machte die Aufteilung von ererbtem Land möglich, doch konnte es den Mangel an Agrarland nicht beseitigen. Doch die Mennoniten kauften Ländereien der Adelsfamilien auf, nach 1861, als die Leibeigenschaft abgeschafft wurde. Einige neue Gruppen von Kolonien wurden in Russland gegründet. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die Gesamtzahl der mennonitischen Bevölkerung im Russischen Reich 104.000. Die meisten Mennoniten lebten in Jekaterinoslaw, Taurien und den Samara Provinzen. Die größten mennonitischen Kolonien waren: Chortitza (1800 Einwohner) Rosenthal (1226), Neuendorf (1121), Osterwick (3100), Einlage (1258) (in der Provinz Jekaterinoslaw). Halbstadt (915) und Waldheim (946) (in der Provinz Taurien).

 

Bild: Wally Kroeker, An Introduction to Russian Mennonites: A story of flights and resettlements to homelands in the Ukraine, the Chaco, the North American Midwest, Germany and beyond. (Good Books, PA, 2005).