Unternehmer mit Begeisterung

Autorin: Nataly Venger
Übersetzung: Martje Postma 

Die Mennoniten in Russland waren nicht nur begeisterte Bauern, sie waren auch begabte Unternehmer. Die Mennonitenkolonien in der Provinz Jekaterinoslaw entwickelten sich zu den Hauptproduktionszentren für die Maschinenproduktion im russischen Reich. 'Lepp und Wallmann' war die bekannteste mennonitische Produktionsfirma für Maschinenbau. Die Fabrik wurde in 1850 von Peter Lepp gegründet – er begründete damit auch eine Unternehmerdynastie – und sie erlebte  die Höhe ihres Erfolges unter der Leitung seines Enkels, Johann Lepp, der das Unternehmen im Jahre 1879 erbte und es bis 1919 betrieb.

 

Die Dynastie Lepp-Wallmann

Im Jahre 1880 wurde Andreas Wallmann, ein reicher Bauer, Partner in der Fabrik Lepps, danach war der Name der Firma bekannt als 'Lepp und Wallmann'. 1903 ging das Unternehmen an die Börse. Die Anteilseigner waren die elf Vertreter der Dynastie Lepp-Wallmann. Sie betrieben 3 Maschinenbau-Firmen in der Provinz Jekaterinoslaw. In 1903 wurde der Wert der Firma mit ihren materiellen und immateriellen Werten auf 1,15 Mio Rubel geschätzt. Das Firmenkapital des Unternehmens wuchs auf eine Höhe von 1,2 Million Rubel (1903 – 1913), und 2,4 Million Rubel (1914 – 1918).

 

Unternehmerischer Erfolg und Auszeichnungen

In den Anfangsjahren produzierte der Betrieb die einfachsten Landwirtschaftsgeräte: Mähmaschinen, Rüttelsiebe und Erntemaschinen.  Im Jahre 1874 brachte er das erste Buchungsgerät  auf den Markt, „Lepps Buchhaltungsmaschine“. Nach 1880 begann die Fabrik die Produktion von Maschinen, die wichtig waren für die Industrialisierung: Dampfmaschinen, Dampfkessel, Ölpressen und Zubehör für Sägewerke. In den Jahren zwischen 1860 und 1912 nahm die Firma an Ausstellungen für Landwirtschaftsmaschinen teil und erhielt 33 Medaillen und Diplome.

 

Das Geschäftsleben und der Erste Weltkrieg

Während des Ersten Weltkrieges wurde die Fabrik gezwungen, Waffen zu produzieren. Es war für die (pazifistischen) mennonitischen Unternehmer die einzige Möglichkeit ihren Besitz unter den Bedingungen des Krieges der 'Russischen Einheit'  gegen Deutschland zu schützen.

 

Die Bedeutung der Fabriken unter mennonitischer Leitung

Lepp–Wallmanns Betriebe trugen in hohem Maße zu der Entwicklung der Maschinenbau-Industrie in Russland bei. Berühmte Unternehmer wie A. Koop und C.Hildebrandt fingen als Lehrlinge in der Fabrik von P.Lepp an. Im Jahre 1900 produzierten die Mennoniten in der Provinz Jekaterinoslaw mehr als 58% der landwirtschaftlichen Geräte. In der Provinz Taurien war jede dritte Werkzeugfabrik in mennonitischen Händen. 1911 war jede fünfte Fabrik für landwirtschaftliche Maschinen in Nowo-Russia Eigentum eines mennonitischen Unternehmers. Diese Zahlen können als ein Spiegel des wirtschaftlichen Erfolges dieser ethnischen und religiösen Gruppe gedeutet werden. In den mennonitischen Fabriken wurden immer die neuesten Technologien angewendet, sie bestanden erfolgreich den Wettbewerb mit ausländischen Fabriken, und sie lieferten den Konsumenten Produkte, die preiswert waren und dennoch von hoher Qualität. So lieferten sie ihren Beitrag zum Fortschritt der Modernisierung.