Von Monarchisten zu Demokraten

Autorin: Nataly Venger
Übersetzung: Martje Postma 

Die Mennoniten wurden von Katharina der Großen in das russische Reich eingeladen. Wie kam es, dass die Monarchie ihre Haltung den Mennoniten gegenüber änderte, und warum geschah das?

Privilegien

Die Ansiedlung der Mennoniten begann unter Katharina II. Es war eine der Methoden, neue Gebiete zu kolonisieren – die Bevölkerungszahlen zu erhöhen, um die Wirtschaftskraft des russischen Reiches zu vergrößern. Im den von der Kaiserin geschriebenen Manifesten wurden den neuen Siedlern zusätzliche Anreize versprochen. Die aktive Emigrationspolitik für die Mennoniten eröffnete ihnen großartige wirtschaftliche Perspektiven. 'Die Mennonitischen Privilegien' wurden von der Zarin im Jahre 1788 ausgefertigt. Interessanterweise wurden anderen ethnischen Gruppen und der russischen Bevölkerung diese Privilegien nicht zuteil.

 

Moral

Paul I (1796 – 1801), Alexander I (1801 – 1825) und Nikolaus I (1825 – 1855) unterstützten die Mennoniten ebenfalls. Paul I übergab den Mennoniten eine 'Charta der Privilegien', in Anbetracht ihrer moralischen Gesinnung als Beispiel für andere Gesellschaftsgruppen. Alexander I legte neue Kolonisierungsregeln fest, in der Erwartung wohlhabender Einwanderer. Er befahl, all die früher erlassenen Gesetze in  'Statuten für die Kolonien' festzulegen. Der Monarch finanzierte den Bau von Kirchen in den Dörfern Orloff und Rudnerweide. Die Siedlung Alexanderwohl wurde benannt zu Ehren von Alexander, der Steinbach und Tiege besuchte. Die Prinzipien von Nikolaus II waren in seinem Wahlspruch 'Orthodoxie, Autokratie und Nationalität' enthalten. Auch wenn die Mennoniten Protestanten waren, unterschrieben sie den Gedanken eines 'Monarchen als Vater'. Sie bezeugten ihre Treue an die Monarchie. Noch in 1917 sprach sich Nikolaus II ebenfalls für die 'Privilegien' aus.

 

Änderung des Status

Die Modernisierung und der Prozess der Einigung, die Alexander II in die Wege leitete, war der Beginn eines neuen Kapitels in der Geschichte der Kolonien. In der Zeit von 1871 – 1847 verloren die Mennoniten ihren Status als 'Kolonisten', und wurden zum alternativen Wehrdienst herangezogen. Dennoch brachten die Reformen die Entwicklung in den Kolonien nicht zum Erliegen, vor allem, weil Alexander II die Nationalisten nicht unterstützte. Die Mennoniten behielten ihre Vorstellung von einem 'ökonomischen Messianismus' bei, die ihre Beziehung zur Monarchie bestimmte. Eine neue Siedlung wurde Alexander zu Ehren nach ihm benannt.

 

Von Monarchisten zu Demokraten

Alexander III (1881 – 1894) und Nikolaus I (1894 – 1917) wurden von nationalistischen Gefühlen beeinflusst. Unter dem Einfluß der Ideologie des Nationalismus, stellten sie die russische Nation mit der Orthodoxie gleich, und waren gegen die Protestanten. Nikolaus II unterstützte die anti-deutsche Gesetzgebung der Jahre 1914 – 1918. Lange Zeit unterstützten die Mennoniten die Monarchie. Doch brachten demokratische Prozesse in den Siedlungen die Mennoniten in einen Dialog mit der Regierung. Diese Prozesses waren in der Revolution von 1905 – 1907 begründet, und im russischen Nationalismus. Der Wandel der Haltung der Mennoniten von Unterstützern der Monarchie zu Anhängern der Demokratie und des parlamentarischen Systems nahm von dort seinen Anfang.