'Einer für Alle und Alle für Einen'

Autor: Michal Targowski
Übersetzung: Martje Postma 

Das Motto der Drei Musketiere war den Mennoniten, die in Polen lebten, wohl bekannt. Sie waren berühmt für ihre gegenseitige Unterstützung und Solidarität innerhalb ihrer Gemeinschaften.

 

Solidarität und Vertrauenswürdigkeit

Die Mennoniten in Polen waren Nachfahren niederländischer Einwanderer. Anders als die meisten polnischen Bauern waren sie freie Menschen, keine Leibeigene. Ihr Verhältnis zu Landeignern und Bischöfen war in Langzeitverträgen festgelegt, in der die Regel unterschrieben von einer kleinen Gruppe aus Bauern, die in einer gleichen Gegend siedelten. Zugleich mit dem Recht, das Land zu bearbeiten, erhielten sie Privilegien und Verpflichtungen.

 

Dieses führte dazu, dass im 16. Jahrhundert im Weichseldelta landwirtschaftliche mennonitische Siedlungen entstanden, mit weitgehender Autonomie und einer weit entwickelten Selbstverwaltung. In den Verträgen war oft festgelegt, dass alle Mitglieder der Gemeinde ihren Pflichten nachzukommen hatten und 'Einer für Alle' und 'Alle Für Einen' verantwortlich sein sollten. Dies ist eine gute Beschreibung der Gepflogenheiten, die das Leben in den mennonitischen Dörfern in Polen regelten.

 

'Willkürs'

Die Regeln, nach denen das Leben in den Siedlungen ablief, waren in den sogenannten 'Willkürs' aufgeschrieben: Listen von Artikeln, gestaltet als lange Dokumente in Schönschrift, die über Generationen in dafür angefertigten Kästen der Gemeinde aufbewahrt wurden. Die wichtigsten Abschnitte daraus betrafen die Regeln für die Selbstverwaltung. Das Haupt der Gemeinde war der 'Schultz', mit den Ratsmitgliedern, alle gewählt von den örtlichen Bauern. Diese hatten ihr Amt für ein Jahr inne, und mussten nach Ablauf des Jahres der Gemeinde einen Bericht erstatten, über das Geld, das sie ausgegeben hatten und die von ihnen ausgeführten Tätigkeiten.

 

Alle Nachbarn bezahlten einen festgelegten Betrag für den Unterhalt der Schule, der Lehrer und den Friedhof. Ein besonderes Augenmerk wurde auf das Bestimmen der bestmöglichen Vormundschaft für Waisenkinder gelegt. Jene, die den wichtigsten Verpflichtungen wie Steuern zahlen, Deiche und Gräben erhalten, Grenzen zu achten oder den Feuerschutz nicht nachkamen, wurden von der Gemeinschaft strengstens bestraft, mit Strafzahlungen oder sogar Verbannung aus der Gemeinde.

 

Opfer von Übeltaten bestrafen

Es war ebenfalls üblich, die Opfer von Diebstahl zu unterstützen. Wenn nur ein Pferd oder eine Kuh gestohlen worden war, hatte jede Familie die Pflicht, ein Familienmitglied zu schicken, um Jagd auf den Dieb zu machen. Die Nachbarn waren ebenso verpflichtet, den Opfern von Feuersbrunst mit finanziellen und materiellen Mitteln zur Seite zu stehen. Es wurden auch selbstverwaltete Organisationen für den Deichschutz und das Säubern der Gräben ins Leben gerufen. Diese erhielten sich bis ins 19te Jahrhundert, und stellten ebenfalls eine Verbin