Mennonitische Architektur in Polen

Autoren: Wojciech Marchlewski, Michał Targowski
Übersetzung: Martje Postma 

Die Mennoniten in Polen unterschieden sich von ihren Nachbarn nicht nur in ihrer Religion und ethnischer Herkunft, sondern ebenso in ihrem Baustil.

In jenen Gegenden, wo die Mennoniten lebten, gibt es hunderte von Gebäuden, deren Architektur von Bauweisen abgeleitet ist, die im 16. Jahrhundert von niederländischen Mennoniten mitgebracht wurden. Die meisten davon sind alte Bauernhöfe aus Holz, die sich in Żuławy (Werder), und in den zentralen Niederungen an der Weichsel befinden. Sie sind leicht zu erkennen: das Wohngebäude und die Scheune sind in langer, gerader Linie gebaut, alles unter einem Dach. Sie sind sehr groß, oft länger als 40 Meter.

 

Die Mennoniten, die in sumpfigen Gebieten lebten, bauten ihre Häuser auf künstlichen Hügeln, die Warften genannt werden. Das Fundament war aus Eichenholz, die Seitenwände aus Fichten oder einem anderen weichen Holz. Eine Holzkonstruktion bedeutete Schutz gegen die Elemente, und ermöglichte es, das Haus wieder auseinander nehmen zu können, um es an einem anderen Ort wieder aufzubauen. Der Dachboden wurde für als Speicher für Heu und die Ernte benutzt, doch bei hohen Wasserständen wurde er auch zum Zufluchtsort für die Familie und ihren Besitz, einschließlich der Tiere.

 

In den ersten beiden Jahrhunderten, in denen die Mennoniten in Polen lebten, wurden ihre Bauernhöfe auch als Gebetshäuser genutzt. Im 16. und 17. Jahrhundert gab es hier nur einige wenige mennonitische Kirchen. Erst im 18. Jahrhundert bekamen die ersten mennonitischen Gemeinschaften die Erlaubnis, ihre Kirchen an anderen Orten in Żuławy  (Werder) und dem Weichseldelta zu bauen. Diese Kirchen waren aus Holz, langgestreckte Vierecke mit einem einfachen hohen Dach, wodurch sie eher Scheunen oder Kornscheunen als einem Gotteshaus ähnelten.

 

Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die alten Kirchen in Żuławy durch neue Gebäude ersetzt, die sehr häufig den Baustil der Kirchen anderer Konfessionen übernahmen. Aus Backstein gebaut, im neogotischen oder eklektischen Stil, dennoch waren sie einfach zu erkennen, weil sie keinen Turm hatten. Jedoch wurde die Tradition der Kirchen aus Holz länger beibehalten in den Gebieten an der Weichsel in der Nähe von Thorn, Plock und Warschau, wo im späten 19. Jahrhundert neue Kirchen von Mennoniten im gebaut wurden. Insgesamt bauten in Mennoniten in Polen mehr als 40 Kirchen an 30 Orten, und sie benutzten die meisten davon bis zu der großen Migration in den letzten Monaten des zweiten Weltkrieges. Heute sind  nur noch 9 ehemalige mennonitische Kirchen erhalten geblieben, einige davon werden von anderen Religionsgemeinschaften als Gotteshäuser genutzt.