Mennonitische Friedhöfe

Autor: Łukasz Kȩpski
Übersetzung: Martje Postma 

Obwohl in vielen Gebieten Polens fast vierhundert Jahre lang Mennoniten gelebt haben, finden sich nur einige wenige Überbleibsel ihrer Anwesenheit, die bis heute erhalten geblieben sind. Ein Teil dieses Erbes sind alte, und oft auch vergessene Friedhöfe. Die ältesten mennonitischen Friedhöfe in Polen wurden von den ersten Einwanderern angelegt, die sich im Weichseldelta und der Niederung im 16. Jahrhundert niederließen. Unterhalten von allen Mitgliedern der örtlichen Gemeinschaft waren die Friedhöfe oft in der Nähe der Siedlungen zu finden, auf dazu  ausgesuchten natürlichen oder von Menschen gemachten höher gelegenen Landstrichen, zum Schutz gegen die gefährlichen Überströmungen der Flüsse.

 

Symbole

Mennonitische Friedhöfe enthielten viele wichtige Symbole, die noch heute auf bewahrt gebliebenen Grabsteinen zu finden sind. Zerbrochene Bäume und Schmetterlinge symbolisieren die Zerbrechlichkeit und Vergänglichkeit des Menschenlebens, Mohnblumen werden als Symbole für ewigen Schlaf genutzt. Schädel, oft auf dem unteren Teil eines Grabsteins gesetzt, richten unsere Gedanken auf den unvermeidlichen Tod – das Ende der verschlungenen Lebenswege, die häufig in dekorativen Umrandungen symbolisiert werden. Andere interessante Kennzeichen sind die gmerken – die Familienwappen, die auf den Grabsteinen angebracht wurden, zusammen mit den Initialen der Verstorbenen.

 

Relikte

Nach dem Zweiten Weltkrieg traf viele der Mennonitenfriedhöfe, wie auch die von anderen Protestanten und Juden, ein tragisches Schicksal, als sie als Ergebnis der zwangsweisen Migration der Mennoniten aus Polen 1945 schutzlos zurückblieben. Als Spuren der feindlichen deutschen Kultur gesehen, wurden alte Grabsteine häufig zerstört oder von den neuen Einwohnern der Gegend entfernt. Viele Friedhöfe verschwanden. Jedoch blieben einige erhalten, besonders jene, die weit entfernt von den Ortschaften angelegt waren, als mehr und mehr in Vergessenheit geratende Überbleibsel der früheren Gemeinschaften, die dort gelebt hatten. 

 

Restaurierung

Heute hat sich die Situation grundlegend geändert. An vielen Orten in Polen werden alte Friedhöfe sorgfältig restauriert, von verschiedenen Organisationen und Institutionen. Häufig geschieht dies mit der Unterstützung von Mennoniten aus den Niederlanden, Deutschland und den Vereinigten Staaten von Amerika. Es gibt viele gute Besipiele für solche Aktivitäten, einschließlich der Restaurierung des Friedhofs in Stogi Malborskie (Heubuden), oder ein Lapidarium mit dem Namen '11 Dörfer Friedhof', das ein Teil des Museums (Muzeum Żuławy) in Nowy Dwór Gdański ist. Heutzutage sind diese ganz besonderen Orte weit mehr als nur Orte des Gedenkens für Nachfahren von ehemaligen Mitgliedern mennonitischer Gemeinden. Sie bieten ebenfalls Raum für Bildungsaktivitäten und den interkulturellen Dialog, ebenso wie für ein ewiges Gedenken an die Mennoniten, die früheren Einwohner dieser Gegend.