Erinnerungen an die Mennoniten im heutigen Polen

Autor: Michał Targowski
Übersetzung: Martje Postma 

Die Katastrophe des Zweiten Weltkrieges zwang die Mennoniten Polen zu verlassen, das mehr als 400 Jahre ihre Heimat gewesen war. Ihr zurückgebliebenes Erbe wird in unseren Tagen wiederentdeckt, und fasziniert neue Generationen von Polen und Gäste aus anderen Ländern.

 

Respekt

Die von den Mennoniten aus Polen verlassenen Bauernhöfe und Häuser wurden eingenommen von polnischen Familien die aus den von der UdSSR annektierten Gebieten in Ostpolen vertrieben worden waren. Die Haltung der neuen Bewohner ihren Vorgängern gegenüber war durch die schmerzlichen Erfahrungen des Krieges und polnisch-deutsche Feindseligkeiten negativ beeinflusst. Doch hatten diese den größten Respekt vor ihnen, wegen der von ihnen zurückgelassenen Gebäude, Geräte und Systeme, die es möglich machten, Bauernwirtschaft in den Sumpfgebieten zu betreiben.

 

Austausch in Bildung und Kultur

Die Zeiten des Kalten Krieges machten es den Mennoniten unmöglich, in ihr Heimatland zurückzukehren. Eingedenk ihrer Wurzeln gelang es ihnen viele Male, substantielle Hilfen für Polen zu organisieren, ganz besonders in den ersten Nachkriegsjahren. Erst in den siebziger Jahren erhielten einige wenige Mennoniten die Erlaubnis, ihre ehemaligen Kirchen und Wohnorte zum ersten Mal zu besuchen, ein Ergebnis der Normalisierung einiger polnischer Auslandsbeziehungen. So begann  ebenfalls ein Austausch auf der Ebene Bildung und Kultur, organisiert vom MCC. Diese Kontakte entwickelten sich weiter und führten zu einer engeren, wenn auch informellen, Zusammenarbeit mit dem Ergebnis der Restaurierung vergessener Friedhöfe, historischen Nachforschungen zu den Mennoniten in Polen, und materieller Unterstützung für polnische Menschen in schwierigen Zeiten.

 

Das Museum Zuławskie

Im heutigen unabhängigen Polen ist ein wachsendes Interesse an den Mennoniten zu beobachten. Überreste ihrer Anwesenheit werden als wertvolle Elemente des umfangreichen und vielfältigen Erbes der polnischen Gebiete gesehen. Es gibt viele Organisationen und Verbände, die sich um das Gedenken an die Mennoniten kümmern, in Form von Ausstellungen, kulturellen Ereignissen, Restaurierung von Friedhöfen, und dem Bewahren mennonitischer Gebäude. Seit 1993 wird die Internationale Mennonitische Konferenz vom Klub Nowodworski in Nowy Dwór Gdański organisiert. Dieser Verband hat das Museum Zuławskie eröffnet, mit einer ausführlichen Darstellung und Beschreibung der Geschichte der dort ansässigen Mennoniten. Deren Erbe wird in offiziellen Touristenrouten (Szlak Mennonitów) präsentiert, und ebenso an dem Wochenende der Mennoniten in Chrystkowo in der Nähe von Chełmno (Culm). In nächster Zeit soll das Olęderski Park Etnograficzny (Freiluftmuseum Niederländischer Siedlungen) in der Nähe von Torún (Thorn) eröffnet werden, wo Originalbauten und Kunstgegenstände von mennonitischen Siedlern  aus dem Weichseldelta zu sehen sein werden. Last but not least wurde in 2007 die Mennonitische Agape Gemeinschaft in Mińsk Mazowiecky gegründet, als eine Gemeinschaft von Christen, die im Glauben und in den Traditionen polnischer Mennoniten leben wollen.