Mennonitische Siedlungen in Polen

Autor: Michal Targowski
Übersetzung: Martje Postma 

Die Mennoniten, die Mitte des sechzehnten Jahrhunderts nach Polen auswanderten, waren überwiegend Bauern. Ihre ausgezeichneten Fähigkeiten sumpfige Landstriche zu kultivieren, ermöglichten es ihnen, sich in gering besiedelten Gebieten im Weichseldelta anzusiedeln.

 

Hauptsächlich Landwirtschaft

Obwohl es in Elbląg (Elbing) und in den Vorstädten von Danzig Niederlassungen  mennonitischer Handwerker und Kaufleute gab, zogen es die meisten Anhänger von Menno Simons vor, sich auf dem Lande anzusiedeln. Die ersten Siedlungen lagen im Delta und dem Tal der unteren Weichsel, einige wenige Mennoniten lebten an der Ostseeküste und in den Sümpfen des Flusses Noteć (Netze). Im frühen siebzehnten Jahrhundert legten die Niederländer ihre Kolonie auf eine jener Flussinseln an, die jetzt ein Teil von Warschau sind. Die Weiterentwicklung wurde von Kriegen behindert, bis in das späte achtzehnte Jahrhundert, als neue Generationen in Polen geborener Mennoniten  sich erneut aufmachten und neue Gebiete stromaufwärts an der Weichsel und ihren Nebenflüssen besiedelten.

 

Gegründet in unzugänglichen Gebieten, bedingt durch die hohe Wahrscheinlichkeit von Überflutungen, hatten die von Mennoniten angelegten Dörfer eine einzigartige Form und einen eigenen Charakter – hölzerne Wohnhäuser, meistens an einem Deich entlang gebaut, oder auf trockenen Streifen in der Nähe der Sümpfe, die Häuser in regelmäßigem Abstand voneinander. Die Grundstücke waren gleichmäßig unterteilt, senkrecht zum Deich oder zu einer Straße, von Gräben getrennt. Die so planmäßig geordneten Dörfer werden 'Reihendörfer' genannt. Ihre Anordnung, die sich an vielen Orten in Polen erhalten hat, ist eines der Teile von jenem Erbe, das diese Einwanderer hinterlassen haben.

 

Integrierte Gemeinschaften

Mennonitische Ansiedlungen bildeten lokale Gruppen, die eine Zusammenarbeit zwischen kleineren Ortschaften möglich machten. Sie organisierten gemeinsame Gebetstreffen und Gottesdienste, die von Einwohnern verschiedener Dörfer besucht wurden. Es wurde viel Mühe darauf verwandt, einen mennonitischen Bauernhof nicht in katholische oder lutherische Hände gelangen zu lassen. Daher bildeten die polnischen Mennoniten enge Gemeinschaften, denen es gelang, ihre Identität und Religion über lange Zeit zu erhalten, wenigstens bis zur Zeit der zunehmenden Germanisierung im 19. und 20. Jahrhundert, und manchmal sogar bis zu ihrer dramatischen Auswanderung aus Polen in 1945.

Diese jahrhundertealten mennonitischen Siedlungen finden sich in Dutzenden Dörfern in Zulawy und der unteren Weichselniederung, wie z.B. Nieszawka (Nessau), Sosnówka (Schonsee), Przechówko (Wintersdorf), Mątawka (Montau), Grupa (Gruppe), Bratwin, Jezioro (Thiensdorf), Kazuń Deutsch Kazun) und Wymyśle. An diesen Orten, wie an vielen anderen Stellen, sind immer noch Spuren der mennonitischen Geschichte zu finden, festgelegt in den Landschaften der Niederungen, in alten Beispielen der Holzarchitektur oder in schweigenden Friedhöfen.