Auf der Suche nach einem bleibenden Ort

Autor: Michał Targowski
Übersetzung: Friedhelm Janzen

Der Wunsch nach einem besseren Leben, in dem man den eigenen Regeln und dem eigenen Glauben folgen konnte, brachte im sechzehnten Jahrhundert die Mennoniten nach Polen. In den nachfolgenden Jahren führte derselbe Wunsch häufig zu einer Suche nach neuen Orten zum Leben, innerhalb Polens und darüber hinaus.

 

Zwischen wachsender Intoleranz und Religionsfreiheit

 Mennonitische Migrationen in Polen nahmen im späten achtzehnten Jahrhundert zu, überwiegend aus Gründen der Übervölkerung ihrer Siedlungen und wachsender Intoleranz bei einem Teil der polnischen Gesellschaft. Die Migranten zogen an der Weichsel weiter flussaufwärts oder verliessen das Land. An den neuen Siedlungsorten war es nicht immer einfach, für längere Zeit bleiben zu können. In den sechziger Jahren des achtzehnten Jahrhunderts (also nach 1760) gründeten Mennoniten aus den Gebieten um Schwetz, Thorn und Graudenz zwei wichtige Siedlungen zwischen Plock und Warschau – Deutsch-Kazun und Deutsch-Wymyschle. Sie blieben in dieser Region bis zum Ende des zweiten Weltkrieges. Eine weitere Gruppe von etwa 30 Familien zog in die feuchte Niederung der Netze bei Driesen, einem Teil von Brandenburg, wo sie die Siedlungen Brenkenhoffswalde und Franzthal gründeten. Im Jahr 1765 erhielten diese Siedler besondere Privilegien in Form von Religionsfreiheit und Freistellung vom Militärdienst, doch als die Preussischen Behörden 1834 Pläne ankündigten, diese Privilegien zu beenden, zogen die meisten Mennoniten erneut weiter.

 

Militärdienst

Die wichtigsten Ziele der mennonitischen Wanderungen waren die Gebiete rund um den Fluss Dnepr, die im achtzehnten Jahrhundert zu Russland gehörten (heute Ukraine). Auf Einladung von Katharina der Großen zog eine große Gruppe von Landwirten aus dem Weichselwerder in diese Gegend und gründete die erste Kolonie am Dnjepr, Chortitza. In den nachfolgenden Jahren folgten tausende weitere Mennoniten, die nicht bereit waren, Einschränkungen Ihrer Rechte durch den Preussischen Staat zu akzeptieren. Die Einführung des verpflichtenden Militärdienstes in Preussen in den 1860er Jahren verursachte eine weitere Welle von Abwanderungen, dieses Mal jedoch vorwiegend nach Nordamerika.

 

Mennoniten in Polen bis 1945

Trotz der massiven Abwanderungen im achtzehnten und neunzehnten Jahrhundert blieben auch weiterhin viele Mennoniten in Polen. 1945 mussten allerdings auch sie ihre Heimat als Ergebnis der Tragödie des Zweiten Weltkrieges verlassen. Konfrontiert mit der Not und dem Chaos am Ende und im Anschluss an den Krieg, beschlossen beinahe alle Mennoniten nach Westdeutschland, Uruguay, Paraguay, in die USA oder nach Kanada zu ziehen.