Ein bescheidener Mann, der viele seiner Ideale in die Tat umsetzen konnte.

Autor: Marius Romijn
Übersetzung: Martje Postma 

Zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts nahm der Einfluss des liberalen Protestantismus in den Niederlanden ab, während die protestantische Orthodoxie und der Katholizismus stabil blieben. Viele junge Pastoren hatten ihre Schwierigkeiten mit den Konzepten 'Sünde und Vergebung'. Sie wurden von den Quäkern in England inspiriert, besonders von den Treffen in Woodbrooke, wo Christus und die Gebetsfrömmigkeit den Mittelpunkt bildeten. Laien konnten in geistigen Dingen und praktischen Angelegenheiten Leitung geben.

 

Tjeerd war als Student der Theologie von dieser nicht klerikalen Frömmigkeit, von der Laientätigkeit in der Kirche und durch das Friedenszeugnis angetan. Er nahm mit anderen Mennoniten Kontakte auf, um die Möglichkeiten für die Einführung dieses Gedankengutes in die Bruderschaft zu durchdenken. Dies war die Keimzelle für den 'Verein für Gemeindetage', Vereniging voor Gemeentedagen, eine Kombination aus nationalen und regionalen Treffen, Arbeitsgruppen und nach und nach ebenfalls für die Konferenzgebäude und Unterbringungsmöglichkeiten für Besucher. Diese Möglichkeiten standen auch Frauen offen, und das belebte die Bruderschaft mit neuem Schwung. Hylkema, Prediger der Gemeinde Giethoorn seit 1912, war zehn Jahre lang der Vorsitzende dieser Bewegung. Das Zentralkomitee der Mennoniten (Algemene Doopsgezinde Sociëteit) zeigte sich zunehmend beunruhigt, aufgrund ihrer sozialistischen, feministischen, pietistischen und orthodoxen Züge. Die erste Ausgabe des Organs für den 'Verein für Gemeindetage' 'Briefe', brieven, erschien 1918. Es gab Ausschüsse, die sich auf Bibelstudien richteten, andere auf die Organisation von Sommerlagern für junge Leute, den Pazifismus, und andere Angelegenheiten.

 

In Giethoorn gründete Hylkema eine Korbflechterschule. Er war auch der Initiator für die Hilfe für die Russland-Mennoniten, die nach der Revolution von 1917 unter schweren Verfolgungen litten. Eine von ihm verfasste Schrift zu diesem Thema erlebte mehrere Neuauflagen, und erschien auch auf Deutsch. Er war eine große Hilfe bei der Emigration von hunderten Mennoniten nach Nord- und Südamerika, aus Rotterdam. Nach der Wirtschaftskrise von 1929 bekamen auch verarmte niederländische Familien Hilfe. Während des Zweiten Weltkrieges organisierte er einen Transport nach London für jüdische Kinder, und Unterstützung für Flüchtlingslager in den Niederlanden.

 

Nachdem er der Gemeinde Giethoorn als Prediger gedient hatte, wurde er zu diesem Amt nach Amersfoort und Amsterdam berufen. Er diente der niederländischen mennonitischen Friedensorganisation als Präsident, und arbeitete für die Bibliothek des Friedenspalastes in Den Haag. Er schrieb für die 'Brieven', veröffentlichte mehrere Bücher, und war einer der Redakteure für das Mennonitische Gesangbuch (1944). Seine Arbeit für die 'Gemeentedagbeweging' festigte die internationalen Beziehungen, und lieferte einen Beitrag zur Erweiterung des Aufgabenbereichs der  ADS, 'Algemene Doopsgezinde Sociëteit'.

 

Er verhalf zu einer 'Stärkung der Gottesdienste' (hauptsächlich durch die Unterstützung des Seminars) und Unterstützung der materiellen, ethischen und religiösen Interessen der Mennoniten, und deren Vertretung.

 

Tjeerd Hylkema war ein bescheidener Mann, der trotz seines schwachen Gesundheitszustandes viele seiner Ideale in die Tat umsetzen konnte. Er war eine große Hilfe für die niederländischen Mennoniten, auf ihrem Weg in das zwanzigste Jahrhundert.