Zeugen sein von Gottes Königreich 

Autor: Fulco Y. Van Hulst
Übersetzung: Martje Postma 

Was ist die Eigenheit der niederländischen täuferischen Ethik – und wie wird sie sichtbar? Es war der geliebte Bibeltext des niederländischen Reformators Menno Simons (1496 – 1561), der die Täuferbewegung anführte:1. Kor. 3:11 ‘Einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus‘. Noch immer ist Jesus der Richtungweisende für die Ethik in täuferischer Perspektive.

 

Die Bergpredigt

Die täuferische Ethik lässt sich am besten als ‘Bergpredigt-Ethik‘ kennzeichnen, oder als Ethik der Nachfolge Christi, als Vorbild für ein Leben, wie Gott es gemeint hat, so hat sie bei Mennoniten einen zentralen Ort. Und das sind dann ganz besonders die Ermahnungen Jesu in der Bergpredigt und seine Lehren in den Gleichnissen, Worte, die Jesus gesprochen hat, um damit die Aufmerksamkeit auf die Fürsorge für den Nächsten zu lenken, ganz besonders den verletzlichen Nächsten, auf die Liebe zu Gott in dem oder der Anderen, und auf die Überwindung des Bösen und der Gewalt in der Feindesliebe. Diese Leitlinien werden als Richtlinie für ‘ein gutes Leben‘ erfahren. Speziell die Friedensethik ist ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal der niederländischen mennonitischen Ethik. Ein gutes Beispiel für die Art und Weise, wie die Mennoniten in der jüngsten Vergangenheit die Friedensethik praktizierten, ist die aktive Unterstützung von Menschen, die sich aufgrund ihrer Überzeugung dem Militärdienst verweigerten.

 

In der Welt

Das niederländische Täufertum hat sich größtenteils in einer städtischen Umgebung in den Wechselbeziehungen mit der soziokulturellen Oberschicht der Gesellschaft entwickelt. Diese Wechselwirkung mit der umringenden Kultur war viel stärker als zum Beispiel andernorts in Europa, wo die Mennoniten in einer selbstgewählten Isolierung und oft auch in einer Situation der Verfolgung lebten. Niederländische Mennoniten haben auf diese Weise die Botschaft der Gerechtigkeit und des Friedens  immer aktiv und häufig auf praktische Art in die Gesellschaft austragen können.

 

Zusammenfassend können wir sagen, dass der Nachdruck in der Situation in den Niederlanden auf der sozialen Ethik liegt: die Gemeinde als Vorbotin vom Königreich Gottes aus Gerechtigkeit und Frieden. Einerseits versuchen die Gemeinden Verantwortung zu übernehmen in der Gesellschaft und für die Gesellschaft, z.B. durch diakonische Projekte, oder indem sie sich aktiv als Friedensgemeinde profilieren. Andererseits positioniert sich die Gemeinde auch immer wieder als ‘Gegenüber’: sie versucht der Welt den Spiegel vorzuhalten, indem sie die Realität von Gottes Königreich sichtbar macht, durch ihr aktives Zeugnis von Gottes Frieden, in Worten und in Taten.