Die Kirchenskulptur in Witmarsum

Autor: Gerke van Hiele
Übersetzung: Martje Postma 

Am Denkmal für Menno Simons (1878) an der Straße It Fliet in Witmarsum ist eine Kirchenskulptur errichtet worden (2008). Der Architekt ist Joute de Graaf, zu dem Zeitpunkt der Vorsitzende der Stiftung für Mennonitische Denkmäler, 'Stichting Doopsgezinde Monumenten', in Friesland. Es ist eine Wiedergabe der Umrisse der alten Predigtstätte, 'Minne Siemens oud preeckhuis', die ursprüngliche 'Ermahnung' ( in den Niederlanden gebräuchliche Bezeichnung für mennonitische Kirchen) wurde in 1879 abgebrochen. Es wurde darauf Wert gelegt, dass es keine umschlossene Kirche geworden ist, sondern vielmehr ein offener Raum, in dem Licht, Wind und Regen offenes Spiel haben. Neben einer Pilgerstätte ist Witmarsum jetzt noch mehr zu einem offenen Ort der Besinnung und Begeisterung in der Weite der friesischen Landschaft geworden.

 

Spiritualität

Für viele ist diese Kirchenskulptur eine gute Anregung, über die Bedeutung der mennonitischen Tradition nachzudenken. Die Kirche ist eine Station eines Meditationsweges in Mennos Herkunftsland, der drei zentrale Momente seines Lebens berührt. Der Weg beginnt bei der Domkirche in Witmarsum, es ist der Ort wo Menno damals, im Jahr 1536 die Tür hinter sich verschloss. Dieser Augenblick kennzeichnet die täuferische Bewegung als eine Bewegung der Erneuerung. Darauf folgt die alte kleine versteckte Kirche in Pingjum, der Ausdruck einer Geschichte der Verfolgung und der Zerrissenheit. Die Täufer wurden zu den 'Stillen im Lande'. Zum Schluss erinnert die offene und vielfarbige Kirchenskulptur uns an unseren Auftrag, uns auf die Suche zu machen nach einer zeitgemäßen Gestaltung unseres Gemeindelebens, wo immer wir wohnen auf der Welt.

 

Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

Früher kamen ausländische Besucher voller Erwartung an diesen Ort, doch verließen ihn ein wenig enttäuscht. Neben dem Denkmal steht dort jetzt diese kleine, stilvolle und offene Kirche, als Hinweis auf die täuferische Art und Weise, Kirche und Gemeinde zu sein. Das Gerippe steht da. Für uns kommt es darauf an, voller Vertrauen weiterzubauen an einer authentischen Glaubens- und Lebenspraxis.

 

Täuferische Merkmale

Selbstverständlich kann man bei diesen täuferischen Konturen zunächst einmal an die   Shared Convictions, die gemeinsamen Grundlagen (MWC 2009), denken, doch ebenso an die verschiedenen Strukturelemente unserer Tradition, wie Taufe und Abendmahl, Jüngerschaft, selbständige Gemeinden, Friedensarbeit usw. Daneben könnten wir auch an die sieben von Augsburger genannten Glaubenspraktiken denken: radikale Verbundenheit, feste Treue, stetige 'Gelassenheit', gelebte Demut, robuste Gewaltlosigkeit, konkrete Dienste, ein authentisches Zeugnis.

 

Referenzen: David Augsburger, Dissident discipleship, A spirituality of self-surrender, love of God and love of neighbor, (Grand Rapids 2006). F.Stark, E.J.Tillema (Hrsg.)

Kracht van een minderheid (Zoetermeer 2011). G.J.J. Van Hiele, 'De zevensprong. Over doperse spiritualiteit', in Doopsgezinde Bijdragen 34 (2008), 127-152.