'...Frei im christlichen Glauben...'

Autor: Alfred R. van Wijk
Übersetzung: Martje Postma 

Die Mennoniten kennen die Erwachsenentaufe, die auf ein selbst erstelltes Glaubensbekenntnis hin geschieht. Ihre Glaubenserziehung erfolgt also über einen längeren Zeitraum. Diese ist sowohl auf Vorschulkinder wie auch auf junge Erwachsene gerichtet, die sich auf ihre Taufe vorbereiten wollen.

 

Keine feste Glaubenslehre

Heutzutage wird in vielen Gemeinden am Sonntagmorgen Vorschulkindern eine Themenfeier mit eigenem Ritual angeboten, wobei Bilderbücher von hoher Qualität dem Thema Inhalt geben. Diese Feiern sind in der von Corien van Ark entwickelten Methode 'Komm in den Kreis'- 'Kom in de kring', begründet. Für die Vorbereitung von Täuflingen gibt es katechetische Stunden, die oft von dem Buch 'Berührt durch den Ewigen','Aangeraakt door de Eeuwige', Gebrauch machen, eine Methode, die unter der Redaktion von Gerke van Hiele geschrieben wurde. Dabei geht es nicht darum, eine fest umschriebene Glaubenslehre zu übertragen. Für jedes Zusammenkommen werden in einem Rahmentext Bibeltexte, Lieder, Gesprächspunkte, Formen kreativer Bearbeitung und zusammenfassende Fragen angeboten, die gemeinsam bearbeitet werden können. Daneben ist dies für Menschen über 18 die Möglichkeit, an einem kurzen Kurs teilzunehmen, der junge Erwachsene darauf vorbereitet, als Laienprediger einer Gemeinde das Wort zu verkündigen.

 

Persönlich erlebtes Glaubensbekenntnis

Sowohl 'Kom in de kring' als 'Aangeraakt door de Eeuwige' richten sich auf die Bildung eines persönlich erlebten Glaubens. Hierzu wurde schon seit den Nachkriegsjahren durch zumeist weibliche Glaubenserziehende Material zusammengetragen, in Gestalt eines Plans für Sonntagschularbeit, Kinderbücher mit Schlüssel- und Spiegelgeschichten und eines Ratgebers für Eltern.

 

Von Wissensübertragung zur Glaubensbildung

In der Rückschau auf die geschichtliche Entwicklung der täuferischen Glaubenserziehung hat diese Glaubensbildung allmählich die Wissensübertragung ersetzt. Erst gegen Ende des 17. Jahrhunderts wurde auf Bitten von Eltern die Glaubenserziehung durch die Gemeinde angegangen. Davor wurde diese als Aufgabe der Eltern angesehen. In dem Lehrmaterial war neben dem Nachdruck auf ein tugendhaftes Leben und Bibelkenntnis eine auswendig zu lernende Glaubenslehre enthalten. Die Erlösung des Menschen, die Christologie, die Taufe und das Abendmahl erhielten einen immer größeren Stellenwert. Im achtzehnten Jahrhundert erhielt die gemäßigte Aufklärung mehr und mehr Bedeutung in der Glaubenserziehung. Die Täufer hatten dabei eine Vorreiterrolle, insofern als sie in ihren Lehrbüchern den Zusammenhang zwischen den Naturwissenschaften und dem Kennen von Gott aufnahmen. In dem darauf folgenden Jahrhundert sollte unter Einfluss der akademischen Bibelkritik der Modernismus entstehen, der auch die Katechese in liberalere Gewässer leitete. Diese Freisinnigkeit, die ein persönliches Glaubenserleben und einen individuellen Glaubensinhalt förderte, bestimmt bis zum heutigen Tage die Erziehung im Glauben.

 

Quelle: Gerke van Hiele, Encoutering the Eternal One: quide for Mennonite Churches (Pandora Press, Canada).