Pax-Boys – Die Friedensengel

Autorin: Isabell Mans

‘Sie waren Engel für die Menschen‘, sagte Ruth Wedel, eine Zeitzeugin. Die Friedensengel waren junge Männer, die in den USA Kriegsdienst verweigert hatten und nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland neue Häuser bauten. Sie absolvierten ihren Friedensdienst mit der Hilfsorganisation Mennonite Central Comittee (MCC).

 

Liebe als Lebensphilosophie

Der Amerikaner Roger Hochstetler kam 1951 nach Deutschland, um den Deutschen seine Solidarität zu zeigen. Obwohl die Deutschen den Krieg angefangen hatten und viel Leid bei Amerikanern und anderen Völkern verursacht hatten, fühlte sich Hochstetler mit seinen christlichen Geschwistern in Deutschland verbunden. Viele Amerikaner hatten Vorbehalte gegenüber Deutschen, aber Hochstetler sagte: ‘Liebe war schon immer meine Lebensphilosophie. Wir bauten in Deutschland Häuser, um Opfern des grausamen Krieges zu helfen.‘

Die Pax-Boys bauten in ganz Deutschland Siedlungen für mennonitische Flüchtlinge aus West- und Ostpreußen oder der ehemaligen UDSSR, z.B. in Neuwied, Wedel oder Lübeck. Innerhalb dieser Siedlungen entstanden neue mennonitische Gemeinden.

 

Botschafter im Namen Christi

‘Im Namen Christi‘ (so das Motto des MCC) kamen die Pax-Boys Anfang der 1950er nach Deutschland. Sie wollten „Botschafter des Friedens“ sein: Die jungen Männer lebten in Deutschland in einfachsten Unterkünften, verzichteten auf ihren Lohn und bezahlten selbst noch 75 Dollar pro Monat, um Teil des Projektes sein zu dürfen.

Dwight Wiebe schreibt:

 

Frieden bedeutet eine Zeit für Heilung, Zuwendung und Wiederherstellung. … Ich kam im Februar 1954 in Europa an. Hier traf ich 30 junge Männer zwischen 18 und 22, die nach Deutschland gekommen waren, um ihren christlichen Glauben in die Tat umzusetzen. Alle waren bereit, Botschafter des Friedens zu werden.

 

Ohne Anleitung oder professionelle Unterstützung gruben sie Keller und Fundamente und errichteten Häuser mit den einfachsten Mitteln. Selbst lokale Reporter staunten, warum hier Menschen in der Kälte ohne Gehalt für fremde Menschen – ehemalige Feinde – Häuser bauen.

 

Frieden zum Anfassen

Für den Bau des mennonitischen Gemeindehauses in Krefeld leisteten acht Pax-Boys innerhalb von fünf Monaten 5771,5 Arbeitsstunden. Mit ihrer Hilfe war der Bau wesentlich günstiger und das Gemeindehaus konnte zügig fertig gestellt werden. In Wedel bei Hamburg wurden zwischen 1954 und 1958 neben einem Gemeindehaus noch elf Doppelhäuser gebaut. Ende der 1950er wohnten dort ca. 120 Personen, einschließlich Kinder. Hier gestalteten die Pax-Boys die Kinder- und Jugendarbeit mit und trugen auch auf diese Weise zum Gemeindeaufbau bei. Die Pax-Boys waren sichtbare Zeichen des Friedens in einer vom Krieg zerstörten Welt.