Das Versteck von Menno Simons

Autor: Hans-Jürgen Goertz

Am nördlichen Ortsausgang von Bad Oldesloe in Schleswig-Holstein steht in der Feldmark unter einer mächtigen Linde eine reetgedeckte, weiß getünchte Kate: die Menno-Kate. Sie erinnert an die letzten Jahre von Menno Simons (1496-1561), den Namenspatron der Mennoniten. Er war 1544 aus Wismar ausgewiesen worden und hatte im Gutsdorf Wüstenfelde Unterschlupf gefunden. Hier konnte er in aller Ruhe an seinen Schriften arbeiten, brieflichen Kontakt mit seinen Gemeinden halten und sich mit seinen Mitältesten über strittige Fragen der Kirchenzucht beraten.

 

Die geheime Druckerei

Menno Simons lebte auf dem Gut Fresenburg mit einer Gruppe von Täufern zusammen, die dort schon seit 1543 siedeln durften. Das Dorf Wüstenfelde wurde im Dreißigjährigen Krieg zerstört. Ungewiss ist, ob die Kate eventuell an anderer Stelle oder dort, wo sie einst stand, wieder aufgebaut wurde. Sie könnte die Wirren des Krieges auch unversehrt überstanden haben. Möglicherweise hat Menno Simons hier gelegentlich gewohnt, um den Druck seiner Schriften zu überwachen. Die Druckerei soll ihm zwischen Frühjahr 1554 und spätestens Sommer 1556 zur Verfügung gestanden haben. Während dieses kurzen Zeitraums wurden trotz des allgemeinen Publikationsverbots täuferischer Literatur vier seiner Schriften gedruckt, u. a. die 2. Auflage seines berühmten Fundamentbuchs von 1539/40. Menno Simons blieb nach der Schließung der Druckerei in Wüstenfelde. Dort starb er am 13. Januar 1561 und  soll in einem Kohlgarten beerdigt worden sein – fünf Kilometer von der heutigen Kate entfernt. 

 

Vom Versteck zum Museum

An Menno Simons erinnert seit 1902 ein Gedenkstein und eine Bronzeplakette. Inzwischen steht die Kate unter Denkmalschutz. Sie wurde von der Vereinigung der deutschen Mennonitengemeinden gepachtet und wird von einem Ausschuss des Mennonitischen Geschichtsvereins verwaltet. In den frühen sechziger Jahren wurde damit begonnen, sie zu restaurieren und zu einem kleinen Museum auszubauen, in dem Bücher, Landkarten und Bildmaterial über die wechselvolle Geschichte der Mennoniten ausgestellt werden. Im Jahr 1986 wurde sie der Öffentlichkeit vorgestellt, seit Dezember 1999 ist sie in einem verbesserten Zustand Besuchern aus aller Welt zugänglich.

 

Zeichen der Versöhnung

Die alte Linde, die von Menno Simons gepflanzt worden sein soll, heißt im Volksmund ‘Menno-Linde’. Vor einigen Jahren haben Mennoniten sowohl in Wittenberg als auch neben  der Menno-Kate eine Buche gepflanzt. Beide Bäume bekräftigen die inzwischen erfolgte Aussöhnung zwischen den lutherischen Kirchen und den Gemeinden der Mennoniten.