Reiseprediger

Autor: Johannes Dyck

Johannes Fast, ein Reiseprediger in der Mennoniten-Brüdergemeinde, gehörte zu den Schlüsselpersönlichkeiten im Wiederaufbau der Gemeinden nach dem II. Weltkrieg an neuen Orten mit neuen Menschen. Er kam 1886 in Mariental in der Kolonie Alt-Samara in Russland zur Welt und starb 1981 in Dschetyssaj in Kasachstan. Der zukünftige Prediger wurde in eine große Familie hineingeboren. Seine Eltern, beide zuvor verwitwet, gründeten eine zusammengesetzte Familie mit dreizehn Kindern. Durch ihre gemeinsamen Kinder wuchs die Zahl der Kinder auf zweiundzwanzig.

 

Berufung und theologische Ausbildung

Nach dem Abschluss der Dorfschule ging Johannes in die Lehre zu seinem älteren Bruder, einem Tischler. Im Jahr 1908 musste er für drei Jahre für den Militärersatzdienst in die Försterei Groß-Anadol in Südrussland. Hier erlebte er am 4. Mai 1908 eine Bekehrung und predigte im Jahr 1910 zum ersten Mal. Von 1911 bis 1913 lernte er in der Bibelschule St. Chrischona in der Schweiz. Nach der Rückkehr in die Heimat wurde er Prediger in der Mennoniten-Brüdergemeinde in Alexandertal, leitete den Chor, gründete 1920 einen Jugendverein und setzte sich als Reiseprediger ein. 1913 heiratete er Agathe Driedger, die schon 1926 verstarb. 1927 heiratete er Wilhelmine Enns, die Ehe mit ihr dauerte bis 1976.

 

Dienst unter Bedrängnis

Im März 1931 wurde Fast zusammen mit seiner Familie in den Fernen Osten deportiert, wo er die nächsten Jahrzehnte bis 1954 verbrachte. Ein Jahr darauf siedelte er nach Temirtau in Kasachstan um, von wo er viele zerstreute Gläubige in Zentralasien, Sibirien und am Ural besuchte, dort predigte, taufte, ordinierte und neue Gemeinden gründete. Als die Verfolgungen 1958 härter wurden, setzten die Behörden ihm nach, aber der inzwischen Siebzigjährige wurde von der Haft verschont.

 

Predigten: Fasts Vermächtnis

Seit 1967 lebte Fast in Dshetyssaj in Südkasachstan. Hier schloss er sich einer Gemeinde an, die überwiegend aus Deutschen bestand, und predigte trotz fortschreitender Blindheit weiter. Im Jahr 1970 begann er Predigten für Witwen zu Papier zu bringen, die dann von den Leserinnen abgeschrieben und auf diese Art vervielfältigt wurden. Der fast erblindete hoch betagte Mann setzte mit dem Schreiben fort und verfasste zwei Andachtsbücher mit Predigten für jeden Tag sowie einen Band Gelegenheitspredigten. Seine Schriften enthalten die umfangreichste Sammlung von Predigten aus der Feder eines Mennoniten in der UdSSR nach dem II. Weltkrieg.

 

Mehr über Johannes Fast gibt es in dem Deutschen Mennonitischen Lexikon Online (http://www.mennlex.de/doku.php?id=art:fast_johannes).