Beginn eines langen Leidensweges

Autor: Hermann Heidebrecht

Die schwerste Zeit für die Mennoniten in Russland kam nach der Oktoberrevolution 1917, als die Bolschewiken die Macht an sich rissen. In Russland entbrannte ein schwerer Bürgerkrieg (1917 - 1922/23). Es gab mehrere Gruppierungen, die sich gegenseitig bekämpften. Besonders die anarchistischen Terrorbanden von Nestor Machno wurden in diesen Jahren zum Schrecken vieler Mennoniten. Sie überfielen regelmäßig die mennonitischen Dörfer. So wurden in einem Dorf Eichenfeld in einer Nacht 77 Männer und 4 Frauen ermordet. Noch mehr Opfer forderte der Flecktyphus, der auch durch die Machnowzen in die Dörfer geschleppt wurde. Ganze Familien starben aus. Im Dorf Schönhorst starben 132 von den 350 Bewohnern, in Chortiza 180 von 676. Über 10 % der Bevölkerung in den Dörfern starb durch die Epidemie.

 

Hunger

Nach all den Jahren erbitterter Kämpfe lag die Wirtschaft in den mennonitischen Dörfern völlig am Boden. Die sogenannten Beschaffungstrupps der neuen sowjetischen Regierung beschlagnahmten die landwirtschaftlichen Produkte. So wurde den Bauern auch das letzte Getreide genommen. Eine schreckliche Hungersnot brach aus. Nach schwierigen Verhandlungen mit den Bolschewiken ist es amerikanischen und holländischen Mennoniten gelungen, Nahrungsmittel und Kleider ihren leidenden Glaubensbrüdern zu überbringen.

 

Verbot der Auswanderung

Mennonitische Delegierte erkundigten sich in Amerika über Auswanderungsmöglichkeiten dorthin. Sie fanden viel Hilfsbereitschaft. Die kanadischen Mennoniten bemühten sich bei der Regierung um die Einreiseerlaubnis, besorgten Kredite für die Überfahrt, außerdem mussten sie versprechen, dass die Neueinwanderer dem Staat nicht zur Last fallen würden. Zwischen 1923 und 1928 gelang den mennonitischen Hilfsorganisationen ca. 23.000 russländische Mennoniten über Deutschland nach Kanada zu bringen. 1928 stoppte die sowjetische Regierung diese Auswanderung.

 

Die Auswirkungen der Kollektivierung

Ab 1929 begann in Russland die Kollektivierung. Die Privatwirtschaft sollte durch die Kollektivwirtschaft ersetzt werden. Dadurch kam es erneut zu einer schweren Hungersnot, die allein in den Jahren 1932 - 33 ca. 10 Millionen Menschen in der Sowjetunion hinraffte. Unter den Enteigneten und Verbannten waren viele Mennoniten. Ihnen wurde das Land, das Vieh, die landwirtschaftlichen Maschinen abgenommen. Viele wurden ausgesiedelt, so dass sie ihre Dörfer und Häuser verlassen mussten. Viele sind in den Verbannungsgebieten verhungert oder an Krankheiten gestorben. Ein Teil der bedrängten Mennoniten ging in dieser Situation in die Städte, wo sie dann Arbeit und Brot gesucht haben. So wurde die Auflösung der mennonitischen Kolonien herbeigeführt.

 

Mehr über Mennoniten in Russland gibt es in Englisch in der Mennonite Encyclopedia Online (http://www.gameo.org).