Mennoniten in ihrer neuen russischen Heimat

Autor: Johannes Dyck

Ein beachtlicher Teil der gegenwärtigen mennonitischen Glaubensgemeinschaft in Deutschland besteht aus Menschen, die einen Teil ihres Lebens in Russland verbracht haben. Die meisten von ihnen siedelten nach Deutschland innerhalb der letzten Jahrzehnte um. Ihre Namen klingen friesisch oder flämisch. Im stürmischen 16. Jahrhundert wurden sie zu Mennoniten und ergriffen die Flucht in die Gegend um Danzig herum, das sich damals unter polnischer Herrschaft befand. Später, als dieses Gebiet unter die Oberhoheit von Preußen fiel und die Mennoniten aufgrund ihres Glaubens wieder unterdrückt wurden, suchten sie nach einem neuen Wohnort in Russland.

 

Gute Aufnahme

Im Jahr 1789 nahm Russland die erste Gruppe von Mennoniten auf. Die Regierung des Zarenreichs gelobte ihnen freie Ausübung des Glaubens, sowie Befreiung vom Militärdienst und siedelte sie in autonomen selbstverwalteten Siedlungen an, die man Kolonien nannte. Die erste von ihnen hieß Chortitza und lag an dem Fluss Dnepr. Auf einen mennonitischen Sonderantrag hin war die Regierung sogar bereit, ihnen doppelt so viel Land geben wie sonst anderen Siedlern aus Deutschland. Im Jahr 1804 siedelte eine zweite große Gruppe von Mennoniten aus Preußen nach Südrussland um und gründete die Kolonie Molotschna. Ihnen folgten einige kleinere Gruppen. Die letzte größere Übersiedlung fand 1859 statt.

 

Fleißige Siedler

Die fleißigen und hart arbeitenden Mennoniten verwandelten das Neuland in der Steppe in eine blühende Landschaft. Ihre harte Arbeit machte Südrussland, wo sie nun lebten, zur Kornkammer Europas. Die von ihnen gegründeten kleinen Werkstätten entwickelten sich im Laufe von Jahrzehnten und Generationen zu einer prosperierenden Wirtschaft mit guten Positionen auf dem russischen Binnenmarkt. Mit der Zeit wurden die Muttersiedlungen zu klein für die wachsende mennonitische Bevölkerung. Die mennonitische Gemeinschaft hatte genug Ressourcen, um sich in den Osten auszubreiten. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es große Kolonien sogar in Sibirien, dem asiatischen Teil Russlands. Die nachfolgenden Generationen haben weder die harte Arbeit verlernt noch die Bereitschaft verloren, sich in neuen ungastlichen Gegenden niederzulassen, um sie lebenswürdig zu machen.

 

Mutterland Deutschland

An dem Vorabend des 1. Weltkrieges und der russischen Revolution von 1917 gehörten die Mennoniten Russlands zu einem der fortschrittlichsten Teile der weltweiten mennonitischen Familie. Immer noch in Kolonien lebend, die längst zu deutschen Inseln im Russischen Vielvölkerimperium wurden, hielten sie eine lebenswichtige Verbindung zu ihrem Mutterland Deutschland aufrecht.

 

Viel mehr über Mennoniten in Russland gibt es in Englisch in der Mennonite Encyclopedia Online (http://www.gameo.org)