Arbeit mit Kindern und Jugendlichen

Autor: Johannes Dyck

In Deutschland wird der Großteil der geistlichen Arbeit mit Kindern von jungen Gemeindegliedern gemacht, die sich dadurch im Gemeindeleben einsetzen. In der Sowjetunion war Arbeit mit Kindern hingegen ein gefährliches Unterfangen.

 

Seit 1929 verbot das Gesetz jede Art von Spezialversammlungen, darunter Frauen-, Kinder- und Jugendstunden. Als die nach 1955 neu gegründeten Gemeinden sich um Legalisierung bemühten, forderten die Behörden strikte Einhaltung dieses Gesetzes. Darüber hinaus verboten sie oftmals sogar die Anwesenheit von Kindern in gewöhnlichen Versammlungen. Von Zeit zu Zeit wurden Sonntagsversammlungen von Beamten und Lehrern gestört, die Listen von anwesenden Kindern aufstellten. Gewöhnlich wurden die aufgeschriebenen Kinder dann am nächsten Tag zur Schulleitung zitiert und vor den Schülern in der Klasse ausgelacht. Sowohl für die jungen Gemeinden als auch für die jungen Eltern waren die Jahre 1958 bis 1966 mit Kampf um die Kinder gefüllt. Letztendlich gewannen die Eltern die Schlacht, und die Kinder durften die Versammlungen in der Gemeinde besuchen.

 

Siege trotz hoher Risiken

Kurz nach diesem wichtigen Sieg begann man in vielen Gemeinden mit kleinen Sonntagsschulen in privaten Wohnungen. In den Städten konnte diese Arbeit besser verheimlicht werden als auf dem Lande. Für diese Arbeit wurden einige Personen, darunter junge Frauen, zu Haftstrafen verurteilt. Trotzdem wurde diese gefährliche Arbeit bis zur Ausreise nach Deutschland durchgeführt, oftmals durch junge Frauen.

 

Junge Menschen übernehmen Verantwortung

Auch Jugendarbeit gehörte zur Grauzone der Legalität, oftmals toleriert durch die Behörden. Gewöhnlich trafen sich Jugendliche für geistliche Gemeinschaft und Bibelstudium in kleinen Gruppen in privaten Häusern, häufig zwei Mal in der Woche. Dieser Teil der Gemeindearbeit wies großes Potential auf und versorgte Gemeinden mit jungen Menschen, die bereit waren, Verantwortung und Dienst zu übernehmen. Ins Leben wurden auch Jugendchöre gerufen, die einen wichtigen Anziehungspunkt für Jungen und Mädchen bildeten. Deren seltene Auftritte wurden zu Festtagen in den Gemeinden.

 

Gute Perspektiven

Dinge, die von der kommunistischen Regierung unter Verbot gesetzt wurden, bekamen eine besondere Anziehungskraft in der neuen Freiheit in Deutschland. Wohlwissend um die Wichtigkeit von Kinder- und Jugendarbeit für die Zukunft haben mennonitische Gemeinden eine blühende Kinder- und Jugendarbeit aufgebaut, die Kinder in den Gemeinden halten. Wenn man an die oftmals kinderreichen mennonitischen Familien in Deutschland denkt, trägt diese Arbeit viel zum Wachstum der Glaubensfamilie bei.