Religion: Glaubenspraxis – Mission und Diakonische Projekte

Verantwortung in der Gesellschaft und Welt
Autor: Hermann Heidebrecht, Johannes Dyck 

Die Russlandmennoniten hatten in der ehemaligen Sowjetunion keine Möglichkeit offiziell missionarische oder diakonische Projekte zu organisieren. Bald nach dem Neuanfang in der Bundesrepublik Deutschland haben viele Gemeinden der Russlandmennoniten ihre eigenen Missionsprojekte in Deutschland und in verschiedenen Ländern der Welt aufgebaut. Zum einem sind es Gemeindegründungsprojekte in Deutschland (in vielen Fällen in den östlichen Bundesländern), zum anderen sind es Projekte in den ehemaligen Herkunftsgebieten in Russland, Kasachstan, Kirgisistan, Ukraine, Moldawien und anderen Ländern der ehemaligen Sowjetunion. Dazu sind inzwischen zahlreiche Missionsprojekte in Süd- Ost-Europa (Rumänien, Bulgarien u. a.), in Lateinamerika (Brasilien, Bolivien, Mexiko u. a.), Afrika (Kenia, Äthiopien u. a.) und anderen Ländern der Welt hinzugekommen.

 

Neben der Gemeindegründungsarbeit unterstützen einige Gemeinden Schulen und Kinderheime. Die Missionsarbeit der Russlandmennoniten geschieht größtenteils

durch ihre eigene neugegründete Missionseinrichtungen. Einige Missionare werden durch andere deutsche und ausländische Missionsgesellschaften ausgesandt.

 

Schulen und diakonische (soziale) Projekte

Die Russlandmennoniten haben in den letzten Jahren einige private Bekenntnisschulen aufgebaut bzw. zusammen mit Christen anderer Konfessionen an deren Entstehung mitgearbeitet. Ein Beispiel dafür ist der Christlicher Schulverein Lippe, der mehrere Schulen in Detmold und Umgebung mit insgesamt mehr als 2.300 Schülern und etwa 200 Lehrern betreibt. Die Wichtigkeit derartiger Schulprojekte für die erfolgreiche Integration von Russlanddeutschen in die deutsche Kultur wurde von staatlichen Gremien verschiedener Ebene ausgezeichnet.

 

Museum für russlanddeutsche Kulturgeschichte

Der ehemalige Physiklehrer aus Kirgisistan und Mitbegründer des Christlichen Schulvereins Lippe, Otto Hertel, hatte ein profundes Verständnis für die Rolle der Geschichte in der Etablierung von Identität. Seit den ersten Tagen der Schulexistenz bereitete er einige Ausstellungen über Deutsche aus Russland vor und hielt Vorträge über deren wichtigen Beitrag zu Russlands Kultur und Wissenschaft. 1996 wurde dafür ein Museum in einem kleinen Gebäude auf dem Schulgelände untergebracht. Außerdem stiftete Hertel seine Bücher dem Museum als Grundstock für eine Bibliothek mit Focus auf Deutsche und Mennoniten in Russland. Im Juli 2011 wurde das Museum in neuen repräsentativen Räumlichkeiten neu eröffnet. Es bietet eine beeindruckende Ausstellung über die Geschichte der Russlanddeutschen von ihrer Ankunft in Russland bis zur Rückkehr nach Deutschland und ihre Integration in die Gesellschaft.

 

Mehr über das Museum für russlanddeutsche Kulturgeschichte finden Sie im Internet (www.russlanddeutsche.de).