Der Treffpunkt Prairie

Autor: Daniel Widmer
Übersetzung: Martje Postma 

Das Département Montbéliard umfasst auch Sochaux, wo die ursprüngliche französische Automobilfabrik Peugeot gelegen ist. Vor vierzig Jahren arbeiteten dort 40.000 Menschen, doch jetzt sind es nur noch 11.000. Die Arbeitslosigkeit ist sehr hoch in diesem Gebiet, und viele Menschen leben dort unter schwierigen Umständen.

 

Um tätige Unterstützung zu bieten, nahm sich die Mennonitenkirche, ganz besonders unter der Leitung von Etienne Klopfenstein, die Schwierigkeiten der Menschen vor Ort zu Herzen. Zunächst verbrachten Freiwillige die Nacht mit den Wohnungslosen in einem staatlich geführten Heim, oder halfen bei der Heilsarmee bei der Verteilung von warmen Mahlzeiten.

 

Ein Treffpunkt wird geschaffen

Die Mitglieder der Gemeinde merkten schnell, dass dies nicht ausreichte, und ein neuer Gedanke machte die Runden: wir wollten ein eigenes Heim schaffen, um einige dieser Obdachlosen, die meisten von ihnen Arbeitslose, unterzubringen. In 1994 wurde eine leerstehende Molkerei angekauft, und von Baufirmen und Freiwilligen aus der Kirchgemeinde komplett renoviert. Dieses Heim, ganz in der Nähe von 'la Prairie' (der Mennonitenkirche in Montbéliard) gelegen, ist benannt nach der Gegend, in der es liegt. Das Heim wurde 1996 eröffnet, und bot 26 Einwohnern eine vorübergehende Unterkunft in Studios für Einzelne oder zwei Personen. Das 'Das Komitee der Geschäftsführung‘ wurde von Etienne Klopfenstein bis zu seinem Tode in 2012 geführt. Durch die Anwesenheit einer bezahlten Bürokraft ist immer jemand ansprechbar, und eine andere Person ist mit der Aufgabe betreut, für die Einwohner den passenden Wohnraum zu finden, in Zusammenarbeit mit den staatlichen Sozialarbeitern. Normalerweise gelingt das innerhalb von 6 Monaten.

 

Glaubenszeugnis

An jedem Wochentag bringen Freiwillige zwischen 14:00 und 17:00 Uhr Gebäck und Kaffee in den großen Gemeinschaftsraum, und sorgen für eine freundliche Atmosphäre, in der die Bewohner sich entspannen, und sich über ihre Probleme aussprechen können. Lionel, ein früherer Bewohner, und jetzt ein Mitglied der Mennonitengemeinde Montbéliard legte 2013 vor den anderen Gemeindegliedern vor seiner Taufe dieses Zeugnis ab:

 

Ich verließ mein Elternhaus mit 18, da ich mein eigenes Leben leben wollte. Ich fand Arbeit, und zu Anfang lief alles gut. Doch leider geriet ich in schlechte Gesellschaft, ich wurde drogenabhängig, verlor meine Arbeit und lebte als Obdachloser drei Jahre lang auf der Straße. […] Zwei Leute vom Zentrum freundeten sich mit mir an, und gaben mir eine Bibel[...] Einer der wöchentlichen Zentrumsbesucher las mit mir die Bibel und sprach mit mir über Gott. Da wurde mir klar, dass es eine Lösung für mein sinnloses Leben gab. Gott liebt mich wie ich bin: das stellt mein Leben auf den Kopf.