Krankenhausbesuche

Autor/Autorinnen: Jean-Paul Herzog, Mireille Peterschmitt und Sara Herzog
Übersetzung: Martje Postma 

Jede Woche gehen Fabienne in Strassburg und Odile in Sélestat ins Krankenhaus und dann wieder  nach Hause, jede in ihrer Stadt. Sie gehen dorthin um Patienten, deren Angehörige und anwesende Pflegekräfte zu treffen und ihnen zuzuhören. In diesen Institutionen, wo die Menschen Leiden und Pflege erfahren, Kummer und Freude,  Leben und Tod, sind Fabienne und Odile Krankenhausbesucherinnen. Ihr Dienst ist ein Ausdruck für ihre gesellschaftliche Teilnahme, die jene Menschen erreichen möchte, die unter Isolierung leiden. Sie tun dies entweder mit einem einmaligen Besuch, oder über längere Zeit. Ihre Besuche bringen noch einen anderen Besucher mit sich, den Herrn Jesus Christus, der sie in ihrem täglichen Dienst begleitet.

 

Eine Frage der Präsenz

In französischen Krankenhäusern ist der Besuchsdienst als Ergänzung der Tätigkeiten der dort Angestellten zu sehen, ein Ausdruck für den Wunsch, den Menschen als Ganzes zu sehen. In unserer französischen säkularen Gesellschaft müssen Krankenhausbesucher beweisen, dass ihre Anwesenheit dort aus einem legitimen Beweggrund heraus geschieht. Die Zeiten sind vorbei, in denen christliche Besucher sich ungehindert in den Krankenhäusern und Kliniken bewegen konnten. Genau wie Krankenhäuser Orte sind, wo Menschen aus verschiedenen Gesellschaftsschichten sich treffen, sind Krankenhäuser und Kliniken heutzutage Treffpunkte für Menschen verschiedener Glaubensrichtungen und Religionen.

 

Krankenhausbesuche gestalten sich ganz verschieden, je nach der Kultur oder Religion der Patienten. Und schließlich sind Krankenhäuser und Kliniken auch Orte, wo viele Fragen gestellt werden. Heutzutage lassen sich Spannungen auf medizinischem Gebiet feststellen, aufgrund menschlicher Beziehungen, aus technischen und wirtschaftlichen Gründen. Besucher müssen ihre Rolle in Bezug auf ethische Diskussionen spielen, und manchmal können sie Patienten auch zu anderen Menschen hinführen, die ihren Bedürfnissen eher gerecht werden können, vielleicht auch außerhalb der Klinikmauern. Unsere beiden Besucherinnen haben mehr als genug zu tun, in der Zeit, die ihnen zur Verfügung steht.

 

Seit 23 Jahren schickt, begleitet und unterstützt das Krankenhauspastorat 'Mitfühlend handeln' in Zusammenarbeit mit den protestantischen Kirchen in Elsass und Lothringen bezahlte Krankenhausseelsorger und einige Besucher als Freiwillige  in die Krankenhäuser. Mennoniten in Strassburg und besonders die Mennonitenkirche Strassburg waren die Begründer dieser kleinen Wohlfahrtseinrichtung. Evangelische Gemeinschaften in der Nachbarschaft beteiligen sich ebenfalls daran. Unsere Herzen sind voller Dankbarkeit zu Gott für Seine Treue und Hilfe, die dieses Unternehmen aus tätigem Glauben bis heute bestehen lässt.