‘Foyer Grebel’

Autor: Neil Blough
Übersetzung: Martje Postma 

Bedingt durch die Geschichte Frankreichs als Kolonialmacht, kommen jedes Jahr zehntausende französisch-sprachige Afrikaner zum Studium dorthin. Als eine Fortführung der Zusammenarbeit zwischen französischen und nordamerikanischen Mennoniten wurde 1977 in Paris ein Besucherzentrum für Studenten aus Afrika  gegründet, das 'Foyer Grebel' in Saint Maurice. Niederländische und Schweizer Mennoniten beteiligten sich schon bald an dem Projekt, das sich zu einem interessanten Beispiel für missionarische Zusammenarbeit entwickelte.

 

Interkulturell

Das Foyer ermöglichte eine vorübergehende Unterbringung, und Hilfe bei der Suche nach gesicherten Bedingungen für die Durchführung eines Studiums. Die Mitarbeiter im Foyer wurden schnell vertraut mit den sozialen und ökonomischen Schwierigkeiten, denen die Studenten begegneten. Wie konnten solche Probleme gelöst werden? Wie könnte das Misstrauen zwischen dem Norden und dem Süden überwunden werden? Das Foyer wurde zum Begegnungsort für gemeinsames Lernen. Die Sonntagabende entwickelten sich zu einer Zeit für gemeinsame Mahlzeiten, und interkulturellen Austausch. Neue Beziehungen und interkultureller Brückenbau entwickelten sich aus diesem Zusammensein, sowie Austausch in Diskussionen, gemeinsames Kochen, und eine gemeinsame Anstrengung zur Problemlösung. All dieses trug für die Teilnehmer dazu bei, ihr Mitgefühl und ihren Gerechtigkeitssinn zu schärfen. Für viele war es die erste Gelegenheit für einen wirklichen Austausch mit 'Anderen', seien sie schwarz oder weiß, Europäer oder Afrikaner.

 

Zuwendung

Viele der afrikanischen Studenten waren Christen, die sich nicht immer willkommen fühlten in den Kirchen in Paris. Einige der Treffen wurden zu Bibelkreisen, zum Singen und Beten. Neue Arten, Dinge zu tun waren manchmal verwirrend, doch zu jeder Zeit eine Quelle der Bereicherung. Aus diesen Treffen entwickelte sich eine multikulturelle Gemeinde, begierig nach neuen Beziehungen zwischen Menschen verschiedener Herkunft.

 

Das Evangelium ruft die Menschen auf zu Mitgefühl: 'Selig sind die Barmherzigen'. In diesem Falle erfuhren die Menschen, die ihr Mitgefühl zeigen wollten, häufig, was das bedeutete für diejenigen, denen man 'Hilfe' anbieten wollte. Das Foyer Grebel half den Mennoniten, die Welt der Fremden in Paris kennenzulernen. Es verhalf denen, die dort arbeiteten dazu, ein Verständnis für kulturelle Unterschiede, der Kolonialgeschichte und deren Erblast zu bekommen. Es war ebenfalls eine Möglichkeit, die weltweite Christenheit, die sich außerhalb Europas entwickelte, kennenzulernen.

 

Multikulturelles Erbe

Ein noch größeres Zentrum wurde dann in der Nachbarstadt Maisons-Alfort gebaut. Vorübergehende Unterkunftsmöglichkeiten wurden bis 1998 angeboten, bis ein Stadterneuerungsprojekt die Schließung des Projektes erzwang. Dennoch erhielt das Foyer Grebel zwei 'Nachkommen', die bis heute bestehen: die Christliche Gemeinschaft Foyer Grebel, die sich zur Mennonitengemeinde Villeneuve le Comte entwickelt hat, und das Mennonitenzentrum in Paris, das ihren Anfang in dem ersten Gebäude in Saint Maurice nahm, als das Foyer nach Maisons-Alfort umzog. Das multikulturelle Erbe des Foyer Grebel lebt weiter, als beständiger Aufruf für Mitgefühl und Gerechtigkeit unter den Völkern.