Räume für Gottesdienst, Gebet und Gemeinschaft

Autorin: Beate Zipperer

Heutzutage ist es völlig normal, dass Gemeinden eigene Gemeindezentren besitzen. Also Räume, in denen sich das Gemeindeleben abspielt. Genauso normal ist es auch, sich mit anderen Gemeinden Räume zu teilen. Doch im Verlauf der mennonitischen Geschichte gibt es eine reichhaltige Liste von Räumen, in denen sich Gemeinden versammelten. In Zeiten der Verfolgung traf man sich in verborgenen Höhlen oder unter großen alten Bäumen, manchmal einfach auch auf weiter Flur oder sehr heimlich in Privatquartieren der Gemeindeglieder. Das gilt auch für Gemeinden im südlichen Deutschland. Später fanden die Gemeinde-Treffen in gewöhnlichen Gebäuden statt. Das konnten Höfe, Häuser, Wirtschaften, Scheunen, Lagerhallen oder jedes andere Gebäude sein.

Es entwickelte sich keine eigene ‘mennonitische Architektur‘ im eigentlichen Sinne, obwohl man ’klassische‘ Merkmale in mennonitischen Versammlungs- und Bethäusern findet. Diese Merkmale entstanden, weil der Versammlungsort von der Theologie, von der gottesdienstlichen Praxis, sowie den wirtschaftlichen und politischen Einschränkungen der Glaubensgemeinschaft bestimmt wurde. All diese von Gemeinden genutzten Räume erfüllen einen einzigen, aber wesentlichen Zweck: die Gemeinde versammelt sich darin, um Gottes Wort zu lesen, von Gottes Wort zu hören, Gottes Wort auszulegen und um Gottes Wort mit Leben zu füllen. Folgerichtig werden Taufe und Abendmahl darin gefeiert ebenso wie gemeinsame Mahlzeiten eingenommen. Je nach Gemeindegröße entwickeln sich Möglichkeiten neue Versammlungsräume, nach den gemeindeeigenen Bedürfnissen zu errichten oder Räume anzumieten, die den Gemeindeansprüchen dienen. Einige Gemeinden in Süddeutschland haben eigene Gemeindezentren (z.B. Ingolstadt, Regensburg). Andere sind in ‘Untermiete‘ bei anderen Gemeinden (z.B. Augsburg, München).

 

Keine heilige Orte

Die genutzten Räume sind also keine ‘ausschließlich heiligen Orte‘, sondern es sind meist überdachte Räume, an denen die Gläubigen Gott und einander dienen. Die Beziehungen zwischen Menschen innerhalb der Gemeinde prägen die Atmosphäre der Räumlichkeiten und bringen sichtbar und spürbar die gelebte Beziehung zu Gott und zueinander zum Ausdruck. Gottesdienst und Versammlung der Gemeinde in Jesus Christus verleihen dem Ort, dem Raum also seine Bedeutung.

 

Offene (W)Orte als Chance

Im Jahr 2013 öffneten wir unsere Räume für die Mittagsbetreuung von Schulkindern, da die Stadt die Schule umbauen und sanieren musste. Es ergaben sich gute Gesprächsmöglichkeiten mit Verantwortlichen der Stadtverwaltung ebenso wie zu Betreuern, Eltern und Kindern, die über drei Monate in unserem Gemeindezentrum zu Gast waren. Offene Orte können also eine Chance sein, offene Worte über Jesu Rettungsbotschaft (wieder) neu ins Bewusstsein anderer Menschen zu bringen.